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Was ist ein Shunt? Ein Shunt ist ein implantiertes System zur Ableitung überschüssiger Flüssigkeit aus dem Kopf in eine andere Körperhöhle, meistens in die Bauchhöhle. Im Bauchfell kann die überschüssige Flüssigkeit resorbiert werden.

Warum brauchte Leo einen Shunt?

Während oder kurz nach Leo's Geburt erlitt Leo aufgrund eines Sauerstoff-mangels Gehirnblutungen. Diese verursachten eine Verstopfung des Liquor-Abflusssystems. Der Liquor ist das Gehirnwasser, durch welches die Ventrikel(Hirnkammern) gefüllt sind, die das menschliche Gehirn weich im Schädel "einbetten".  

Wenn wie bei Leo dieser Abfluss und dadurch das normale Liquor-Produktions-Resorbtions-Gleichgewicht gestört ist, kommt es zu einem Gehirnüberdruck und schliesslich im Säuglingsalter zu einem Hydrozephalus(Wasserkopf).

Bei Leo entstand dieser Hydrozephalus einen Monat nach seiner Geburt. Im Januar wurde das Shunt-System bei Leo in einer dreistündigen Operation eingepflanzt. Somit wurde der Gehirndruck durch den Shunt normalisiert, der Hydrzephalus ging praktisch wieder zurück.

Woraus besteht ein Shunt?

Ein Shunt besteht aus drei Teilen: Einem zentralen Katheter, der die Flüssigkeit aus dem Ventrikel herausleitet, einem Ventil, das die Abflussmenge steuert(es ist meistens hinter dem Ohr unter der Haut platziert) und und einem distalen Katheter, der die Flüssigkeit bis in die Bauchhöhle ableitet.

Das ganze Shunt-System ist direkt unter der Haut angebracht und deshalb nicht direkt sichtbar, wohl aber tastbar. Die Schläuche bestehen aus Silikon, das Ventil ist durch eine harte Kapsel geschützt.

Was lief schief?

Durch Leo's neu gewonnene Mobilität(er läuft seit Mai/Juni 2004) veränderte sich Leo's Liquor-Produktions und Resorbtions-Gleichgewicht. Es entstand ein Unterdruck, demnach war das Ventil zu diesem Zeitpunkt nicht mehr richtig eingestellt. Dadurch verteilte sich das Gehirnwasser neu in Leo's Kopf, u.a. drang es zwischen die 2. und 3. Hirnhaut ein und bildete ein sogenanntes Hygrom.

Bei einem seiner Stürze erlitt Leo in diesem Hygrom eine Blutung, die es ohne das Gehirnwasser zwischen den Hirnhäuten nie gegeben hätte. Von diesem Blut gelangte ein kleiner Partikel in das Shuntsystem im Ventrikel und verstopfte das den Shunt. Es entstand langsam ein Überdruck. Auf einmal wurde Leo sehr müde, ihm wurde übel und plötzlich verkrampften sich Arme und Beine und der Puls ging unter 50. Eine rasche Hospitalisation war dringend angezeigt.

Die Operationen und medizinischen Massnahmen

Notfallmässig wurde Leo ins Kinderspital Zürich eingeliefert, kreislaufmässig stabilisiert und nach den notwendigen Abklärungen sofort operiert. In der ersten Phase wurde der Liquor mit Antibiotika gereinigt und das Liquor-Gleichgewicht mittels einer nach aussen führenden Drainage sichergestellt. Ebenso wurde ein neuer Shunt im Kopf eingesetzt.

Leo musste 5 Tage liegen. In der zweiten Operation wurde der Shunt-Bauchhöhlen-Teil vollständig erneuert, das Shuntsystem wieder in Betrieb genommen und das Hygrom mit einem Schlauch nach aussen abgeleitet, bis das Hygom "geleert" werden konnte. Der nach aussen führende Schlauch wurde 7 Tage nach Einlieferung ohne Narkose gezogen.

Leo wird nun regelmässig ein MRI oder CT über sich ergehen lassen müssen, um sicher stellen zu können, dass alles in Ordnung ist.

Wir möchten allen herzlich danken, die uns in dieser sehr schwierigen Situation unterstützt haben. Die Hilfe unserer Familie war ein riesiges Geschenk. Viele Freunde, Arbeitgeber und Arbeitskolleginnen und Kollegen standen uns auf ihre best mögliche Weise zur Seite.

Spezieller Dank gilt wieder einmal dem Kispi-Team, inbesondere Herrn Weber, Frau Balmer, Herrn Altermatt, allen Krankenschwestern und Stationsärzten in der IPS A und Chirurgie F, dem Physio-Team und dem CF-Lufti-Team, insbesondere Hernn Möller und Frau Spinas.

Am meisten beeindruckt hat uns aber unser Sohn Leo! Mit unvorstellbarer Kraft und zähem Lebenswillen hat er auch diese heikle Situation gemeistert. Und in der ganzen Schwere ist er fast immer gut gelaunt und fröhlich geblieben und hat im Endeffekt eigentlich allen anderen Kraft und Energie gegeben, um diese Zeit zu überstehen.

Zürich, 5.3.2009                

Valentin Vella


Anmerkung: Die CT-Abbildungen und medizinischen Bilder stammen nicht von Leo, sondern sind aus medizinischen Websites entnommen.